Die Ursprünge des heutigen Standortes Unterbreizbach des Werkes Werra (K+S Minerals and Agriculture GmbH) reichen über 125 Jahre zurück. Im Jahr 1897 wurde im zum Amt Vacha im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach gehörenden Unterbreizbach die Erlaubnis zum Schürfen nach „Salz“ durch das großherzoglich sächsische Staatsministerium erteilt. In Eisenach erfolgte noch im gleichen Jahr die Gründung der Kalibohrgesellschaft „Sachsen-Weimar“. Bereits ein Jahr später erreichte die Bohrung „Sachsen-Weimar 1“ das obere, im Flöz Hessen liegende Kalilager in 705 Meter Teufe und das Flöz Thüringen in 775 Meter Teufe. 1899 wurde die Bohrgesellschaft in die Gewerkschaft „Sachsen-Weimar“ umgewandelt. 1910 startete die kontinuierliche Förderung – mit anfänglich 500 Tonnen pro Tag.

Das Werk Sachsen-Weimar (heute Unterbreizbach, Schacht I und Fabrik) in den 1920er Jahren. Archivfoto: K+S
Die Jahre von 1914 (Beginn Erster Weltkrieg) bis 1928 waren von wiederholten Produktionsunterbrechungen geprägt. 1921 übernahm die Wintershall AG das Werk. 1942 wurde das noch heute stehende Fördergerüst an Stelle eines Vorläufers errichtet.
Im 2. Weltkrieg existierte in Unterbreizbach ein Lager für englische Kriegsgefangene. Es trug als Arbeitslager die Nummer 137 und war dem Stalag IX C in Bad Sulza unterstellt. Stalag (= Stammlager) war die Bezeichnung für größere Kriegsgefangenenlager, in denen die Kriegsgefangenen registriert und auf Arbeitskommandos verteilt wurden. Die Gefangenen im Arbeitslager in Unterbreizbach mussten teilweise im Kaliwerk arbeiten.
Die im Frühjahr 1945 vom Westen heranrückenden US-Truppen hatten bei ihrem Vormarsch Richtung Thüringen die Werksstandorte Wintershall in Heringen sowie Hattorf in Philippsthal passiert und gelangten schließlich auch nach Unterbreizbach. Es war dabei zu Kampfhandlungen in Heringen und Herfa-Neurode gekommen. Dabei wurden auch die Fördergerüste der als Heeresmunitionsanstalt genutzten Schächte Herfa und Neurode gesprengt. Am 2. April drangen amerikanische Truppen durch den Glaamer Grund nach Unterbreizbach vor. Der damalige Bürgermeister Schäfer übergab den von weißen Fahnen gekennzeichneten Ort kampflos. Beim Weitermarsch der Truppen in Richtung Sünna wurde dann – laut Zeitzeugenberichten – ein amerikanisches Panzerfahrzeug von einem Spähtrupp der Waffen-SS angeschossen. Fünf amerikanische Soldaten wurden als Gefangene genommen. Die angegriffene US-Einheit nahm zunächst Bürgermeister Schäfer als Geisel fest. Als Vergeltung setzten die amerikanischen Soldaten am 3. April einen Großteil der Häuser, Scheunen und Nebengebäude in Unterbreizbach mit Phosphor in Brand. Ganze Gehöfte wurden somit ein Opfer der Flammen. Die Einwohner wurden von amerikanischen Soldaten teilweise daran gehindert, die Brände zu löschen.
Auch das Werk Sachsen-Weimar (heute Unterbreizbach) wurde in direkte Kriegshandlungen verwickelt. So brannten in Folge der Kriegshandlungen der große Fabrikateschuppen sowie die Verladung mit allen Einrichtungen bis auf die Grundmauern ab. Betroffen waren auch die Trockenstation, die Rohsalzmühle, das Magazin, die Bauwerkstatt und sieben werkseigene Wohnhäuser.
Das VEB Kaliwerk Marx-Engels (heute Unterbreizbach, Schacht I und Fabrik) in den 1950er Jahren. Archivfoto: K+S
Nach diesen turbulenten letzten Kriegstagen, nach Kriegsende und Gründung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1949 wurde das nunmehr auf DDR-Gebiet in unmittelbarer Nähe zur innerdeutschen Grenze gelegene Werk Sachsen-Weimar 1952 in einen volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt – mit Umbenennung 1953 in VEB Kaliwerk Marx-Engels. 1964 wurde Schacht 2 (Sünna) in Betrieb genommen und 1970 das Werk mit den beiden anderen Thüringer Kaliwerken (Merkers und Dorndorf/Springen) dem VEB Kalibetrieb Werra zugeordnet.
Nach der friedlichen Revolution in der DDR im Herbst 1989, dem Mauerfall im November des gleichen Jahres und der Wiedervereinigung der über Jahrzehnte durch den Eisernen Vorhang getrennten beiden deutschen Staaten übernahm die neu gegründete Mitteldeutsche Kali AG (MdK) im Jahr 1990 den Thüringer Betrieb. Ende 1993 mit Realisierung der Kalifusion – also dem Zusammenschluss der ost- und westdeutschen Kaliindustrie in der Kali und Salz GmbH – wurde Unterbreizbach mit seinem Gruben- und Fabrikbetrieb Werksstandort des neu gebildeten Gemeinschaftsunternehmens.
Teilansicht der übvertägigen Produktionsanlagen des Standortes Unterbreizbach des Werkes Werra der K+S Minerals and Agriculture GmbH mit Blick auf das charakteristische Fördergerüst des Schachtes Unterbreizbach I. Foto: K+S
Der Standort Unterbreizbach mit seinen beiden Schachtanlagen UB I + UB II ist heute ein wichtiges Standbein im Gruben- und Produktionsverbund des 1997 gegründeten Verbundwerkes Werra der K+S Minerals and Agriculture GmbH. In den übertägigen Produktionsanlagen am Standort Unterbreizbach werden (Stand: 2024) im Wesentlichen die beiden mineralischen Düngemittel 60er KCl (Kaliumchlorid) und Kornkali (Kaliumchlorid, Magnesium und Schwefel) produziert.
Eine aktuelle Luftaufnahme des Standortes Unterbreizbach (Schacht 1 und Fabrik) des Werkes Werra. Foto: K+S
Ort der Zwangsarbeit
In Unterbreizbach gab es zwei Kriegsgefangenenlager für britische Militärangehörige. Die Arbeitskommandos 137 und 152 waren dem Stammlager in Bad Sulza zugeordnet. In direkter Nähe zum Kaliwerk Unterbreizbach und den Schächten vor Ort, wurden die Briten vorwiegend über Tage bei Verladearbeiten und Bauarbeiten eingesetzt.
Die Lebensbedingungen der britischen Kriegsgefangenen in Unterbreizbach während des Zweiten Weltkrieges lassen sich anhand des Berichts von Lenard Keys recht genau rekonstruieren. Sein Arbeitskommando umfasste 93 Männer, die in fünf Stuben mit jeweils zehn Doppelstockbetten untergebracht waren. Pro Stube lebten 18 bis 20 Männer auf engstem Raum. Die Belegung war im Vergleich zu russischen Kriegsgefangenen jedoch noch gering. Dort war die Auslastung regulär doppelt so hoch. Zur Ausstattung gehörten ein Waschraum, ein Sanitätsraum und sechs offene Toiletten. Diese Infrastruktur entsprach formal den Mindestanforderungen, war aber keineswegs selbstverständlich. In anderen Lagern, etwa in Springen, wo ebenfalls britische Kriegsgefangene untergebracht waren, wurden bei Inspektionen fehlende Krankenräume, unzureichende Waschmöglichkeiten und eine deutlich zu hohe Belegung beanstandet.
Auch die Verpflegung war für die britischen Gefangenen ein ständiger Kritikpunkt. Die Tagesration bestand im Wesentlichen aus einem Stück Schwarzbrot – fünf Zentimeter für leichte Arbeit, siebeneinhalb Zentimeter für Schwerarbeit –, dazu gab es ein Stück Wurst oder Limburger Käse sowie Suppe mit ganzen Kartoffeln. Als Getränk wurde täglich eine Blechflasche Pfefferminztee ausgegeben. Französische Gefangene in nahegelegenen Lagern berichten von sehr ähnlichen Mengen: 200 Gramm Brot, 20 Gramm Margarine und ein Liter Suppe.
Die Qualität der Lebensmittel war vielfach mangelhaft. Keys und seine Kameraden beklagten verschimmeltes Brot, Limburger Käse mit Madenbefall und Nudelsuppen von zweifelhafter Beschaffenheit. Besonders gravierend war die Regelung von 1942, wonach Kriegsgefangene und polnische Zwangsarbeiter nur noch sogenanntes „Freibankfleisch“ erhielten – minderwertige Ware, die andernorts kaum als genießbar galt.
In den letzten Märztagen 1945 wurden die Lager in Unterbeizbach aufgelöst. Nach dem Krieg befragte der britische Geheimdienst die Überlebenden und versuchte, Ermittlungen gegen das Lagerpersonal anzustrengen. Zeugenaussagen belegten schwere Misshandlungen. In mindestens einem Fall wurde auch wegen Mordes ermittelt.
| Kategorie | geoOrt |
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![]() | Analytik- und Forschungszentrum (AFZ) Entfernung: 1.68 km von Kaliwerk Unterbreizbach (Fabrikanlage - Schacht I) |
| Grubenanschlussbahn Unterbreizbach Entfernung: 2.48 km von Kaliwerk Unterbreizbach (Fabrikanlage - Schacht I) | |
| Kolonie Hattorfer Platz Entfernung: 2.76 km von Kaliwerk Unterbreizbach (Fabrikanlage - Schacht I) | |
| Produkte der Kaliindustrie (Überblick) Entfernung: 3.03 km von Kaliwerk Unterbreizbach (Fabrikanlage - Schacht I) | |
| ESTA®-Anlage Hattorf Entfernung: 3.03 km von Kaliwerk Unterbreizbach (Fabrikanlage - Schacht I) |
Das Werra-Kalibergbau-Museum in Heringen (Werra) dokumentiert die Geschichte und Gegenwart des seit 100 Jahren wichtigsten deutschen Kaliabbaugebiets auf beiden Seiten der hessisch-thüringischen Landesgrenze an der mittleren Werra. Der Ende des 19. Jahrhunderts beginnende Kalibergbau prägt die Region maßgeblich bis auf den heutigen Tag und ist nach wie vor der mit weitem Abstand größte Arbeitgeber.