Schachtanlage Heringen

Stadt Heringen (Werra) - Heringen (Kernstadt)

Die Schachtanlage Heringen ist Beispiel für ein millionenschweres Bauprojekt, das lediglich dazu dient, Regulierungsvorgaben gerecht zu werden bzw. diese möglichst nutzbringend zu gestalten: Der Schacht dient zugleich als zweiter Ausgang für das Kaliwerk Wintershall und als "Quotenschacht" für die Wintershall-Gruppe. Kalisalz wird hier gerade einmal zwölf Jahre lang gefördert.

Ein regelrechtes „Kalifieber“ führt Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland zur Überproduktion von Kalidünger und einem ruinösen Preiskampf. Die im „Kalisyndikat“ zusammengeschlossenen Werke beschließen daraufhin strenge Absatzquoten und im Jahr 1903 tritt die sogenannte „Zweischachtverordnung“ in Kraft. Demnach muss jedes Bergwerk zwei Ausgänge nach über Tage besitzen. Die Gewerkschaft Wintershall beschließt 1907, das Grubenfeld ihres Werkes Wintershall zu teilen und eine formal unabhängige „Schachtanlage Heringen“ zu errichten. Ein Anschlußgleis über die Werra sorgt ab 1911 über Tage für die Verbindung zum Stammwerk, 1912 erfolgt der untertägige "Durchschlag" wodurch man der Zweischachtverordnung gerecht wird. Noch wichtiger jedoch: Das neue Werk bekommt eine eigene Förderquote und die Wintershall-Gruppe hat nun ein kleines Stückchen mehr vom Kuchen.

Nach dem 1. Weltkrieg verschärft sich die Lage für die deutsche Kaliindustrie: Das Weltmonopol ist verloren, da die elsässischen Werke nun in Frankreich liegen. Deutschland reagiert 1923 mit einer Stillegungsverordnung um die Zahl der Kaliwerke deutlich zu reduzieren. Auch die Schachtanlage Heringen muss die Förderung einstellen. In den 1950er Jahren wird die gesamte Förderanlage samt Fördergerüst abgebaut und der Schacht dient nur noch als Wetterschacht, d.h. zur Belüftung der Grubenbaue. Die Tagesanlagen dagegen werden weiterhin intensiv genutzt: Bis 1992 findet hier die zentrale Lehrlingsausbildung der Wintershall-Werke statt und die Zentralwerkstatt des K+S Verbundwerkes Werra ist bis heute hier beheimatet.

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In der Nähe
KategoriegeoOrt
Zentralwerkstatt und Ausbildungswerkstatt
Entfernung: 0.01 km von Schachtanlage Heringen
Bogenbrücke am Anschlussgleis Schacht Heringen
Entfernung: 0.59 km von Schachtanlage Heringen
Speicherbecken bei Bengendorf
Entfernung: 1.44 km von Schachtanlage Heringen
Direktorenvillen Kaliwerk Wintershall
Entfernung: 1.59 km von Schachtanlage Heringen
Kraftwerk Lengers
Entfernung: 1.65 km von Schachtanlage Heringen

Werra-Kalibergbau-Museum


Das Werra-Kalibergbau-Museum in Heringen (Werra) dokumentiert die Geschichte und Gegenwart des seit 100 Jahren wichtigsten deutschen Kaliabbaugebiets auf beiden Seiten der hessisch-thüringischen Landesgrenze an der mittleren Werra. Der Ende des 19. Jahrhunderts beginnende Kalibergbau prägt die Region maßgeblich bis auf den heutigen Tag und ist nach wie vor der mit weitem Abstand größte Arbeitgeber.